Mitmachen erwünscht: Neue Datenbank zu religiösen Bauten seit 1990

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Religion braucht Platz. Religion braucht Raum. Ohne Sakralbauten und räumliche Arrangements sind religiöse Aktivitäten schwer vorstellbar, sei es in altbabylonischen Tempelanlagen oder der sprichwörtlichen Dorfkirche. Doch wie verändern sich religiöse Räume in der Gegenwart? Welche Sakralbauten sind seit 1990 in Deutschland hinzugekommen? Was passiert mit profanisierten Kirchenbauten? Und wo werden neue Synagogen im Stadtraum aufgebaut?

Diesen und verwandten Fragen ist das DFG-geförderte Forschungsprojekt „Sakralität im Wandel (SaWa)“ in den letzten drei Jahren nachgegangen, das nun erfolgreich beendet wurde. Die Forscher:innen bauten ausgehend von intensiven Fallstudien und quantitativen Untersuchung eine öffentliche webbasierte Datenbank auf, die zum Mitmachen einlädt. Im Forschungsprojekt arbeiteten Wissenschaftler:innen aus der Architekturgeschichte und Religionswissenschaft zusammen. Dafür kooperierten das Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum und der Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur der TU Dortmund.

Ausgehend vom Zeitraum 1990 bis heute, dokumentierten, analysierten und interpretierten die Forscher:innen religionsvergleichend den Wandel in der architektonischen Gestaltung und der städtebaulichen Positionierung zeitgenössischer sakraler Architekturen in Deutschland. Im Fokus des Interesses standen Gebäude und Gemeinden der drei großen monotheistischen Traditionen Judentum, Christentum und Islam.

Gegenläufige Tendenzen

Diese drei Traditionen prägen mit all ihren lokalen oder überregionalen präsenten Gruppierungen zu einem entschiedenen Anteil die deutsche Gesellschaft. Andererseits lassen sich an ihren Sakralbauten auch gegenläufige Entwicklungen zeigen: Während mehr und mehr Kirchengebäude in einigen Regionen leer stehen und auf sie eine Umnutzung oder der Abriss erwartet, entstanden in den letzten Jahren auch neue Bauten etwa der jüdischen und muslimischen Gemeinden. Auffällig dabei ist, dass gerade Moscheeneubauten kontrovers diskutiert werden, wie etwa am Beispiel der Kölner DITIB-Zentralmoschee zu sehen. Allerdings sind es oft diese muslimischen Gemeindebauten, die weiterhin in städtischen Peripherie entstehen oder zuvor nichtreligiös genutzte Gebäude umwidmen. Anders ist es bei Synagogenbauten, die von Seiten der öffentlichen Hand gefördert und mit außergewöhnlichen Architekturen im Stadtraum errichtet werden.

Mitmachen erwünscht

Die vom Projekt aufgebaute öffentliche Datenbank gibt allen Nutzer:innen die Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über die gesammelten Daten zu verschaffen. Dabei sind Filter, wie z. B. nach Bundesland oder nach Gebäudekategorie, hilfreich, um ein bestimmtes Gebäude zu suchen. Aber die Datenbank (hier) ist keineswegs vollständig und fordert alle zum Mitmachen (hier) auf. Die Forscher:innen des Projektes sind auf Beiträge von Leuten vor Ort angewiesen um das Bild zu vervollständigen: Welche neuen religiösen Bauten gibt es vor Ort? Sind Umnutzungen oder gar Abrisse bekannt? Die Datenbank kann nur durch die tatkräftige Mithilfe weiterwachsen und ihrem Ziel gerecht werden.

Text von Dunja Sharbat Dar & Ulf Plessentin